Aristoteles

Aristoteles: Die Rhetorik ist die Kunst,
die möglichen Überzeugungsmittel
zu finden.

Dr. Ulonska Training
Institut für Kommunikation
und Management

Lindenteichstraße 8
D - 37124 Rosdorf
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Dr. Ulrich Ulonska: Überlegungen zu einer pragmatischen Theorie der Argumentation

2008 überarbeitete Fassung eines Vortrags der auf der 27. Jahrestagung der Gesellschaft für angewandte Linguistik (GAL) in Erfurt im Rahmen von (damaligen) Vorüberlegungen zu einer Habilitationschrift gehalten wurde (26.-28.9.1996). 

 „Letzten Endes ist der Redekunst ein Zauber eigen, der sich einer genauen Analyse entzieht“, schreibt der englische Historiker William Carr 1980.  Das ist die Quintessenz seines Buches über über Adolf Hitler. Er hat Recht, auch Walter Jens sieht das so, Hitlers Argumentation war schlecht, seine Bilder und Vergleiche waren unzutreffend. Aber: er wirkte und schaffte es, große Massen zu begeistern!
Nach dem 2. Weltkrieg, in den siebziger und achtziger Jahren setzte man große Hoffnungen auf die neu entstehende Argumentationstheorie. Sollte es möglich sein, Entscheidungen wirklich logisch zu treffen, sollte es möglich sein, Wahlen durch Argumente zu gewinnen, sollte es möglich sein, in Aktionärsversammlungen und bei der Führung im Unternehmen argumentativ zu überzeugen?
Zwischenbemerkung. In meinen Seminaren frage ich immer wieder mal: „Was ist eigentlich ein Argument?“ Meist herrscht dann Stille, oft sehr lange. Fassen wir es kurz, Argumente sind Begründungen für etwas. Diese Begründungen können aus sehr verschiedenen Bereichen stammen: wissenschaftliche Ergebnisse, statistische Ergebnisse, Juristisches (Gesetze, Verordnungen, Präzedenzfälle), es können Werte sein (Freiheit, Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, Vaterland…), es können Bedürfnisse sein (Lust haben, keine Lust haben, Hunger haben, Durst…), das können auch logische Schlussfolgerungsregeln sein und sehr viel mehr ist möglich (0).
Unter Argumentation versteht man also den Grund, der eine strittige oder zweifelhafte Aussage glaubwürdig macht.
Bei Hitler, Kennedy, Kohl, Schröder und Obama versagt die Argumentationtheorie.
Sie muss schweigen, wenn es darum geht, warum  bei Aktionärsversammlungen Mercedes Benz zur Daimler Chrysler AG wird, sie muss schweigen, wenn die es darum geht, warum die Bevölkerung die Volksaktie der Telekom begeistert annimmt und sie muss schweigen, wenn Erklärungen gesucht werden, warum  der „Neue Markt“ im Jahr  2000 boomt.
Die Argumentationtheorie versagt, wenn gilt, Phänomene der Massenbegeisterung zu erklären.
Die antiken Rhetoriker gehen anders an die Sache heran. Aristoteles, Cicero und Quintilian benennen drei Überzeugungsmittel:

a) Ethos. Die Selbstdarstellung des Redners.
b) Pathos. Die Emotionen, die ein Redner erzeugt.
c) Logos. Die sachliche, logische Beweisführung.

Auf diesen drei Säulen fußt auch die „Radikale Argumentationstheorie“: „ … in der Argumentation ist der Mensch in seiner Totalität impliziert: als ein mit Vernunft begabtes (Logos), politisches, immer auf die Gemeinschaft mit anderen in einer Polis angewiesenes, sittliches (Ethos) Lebewesen, das Körper, Affekt und Emotionen hat.“ (1)
Ja und dann? Mehr kommt nicht von der „Radikalen Argumentationstheorie“.
Gehen wir die Sache also erneut und systematisch an:

a) „Die Rhetorik ist der historische Ausgangs- und Schnittpunkt der modernen mit Kommunikation befassten Einzelwissenschaften“ (2). Also nutzen wir das, denn
b) die Sprechwissenschaft ist heute die Disziplin, die die Ergebnisse der modernen Einzelwissenschaften unter einem Dach vereint, praxisorientiert lehrend und analytisch tätig zugleich. Sprechwissenschaft ist heute das Fach, das den Schatz der Rhetorik in einem pragmatischen (wirkungsorientierten) Kontext bewahrt und entwickelt. Es geht nicht nur um den Text, sondern um den Menschen, wie er spricht und wie er vorträgt. Daneben gibt es auch die eher literarisch orientierte Rhetorik der Tübinger Schule von Walter Jens und Gert Ueding.

Nehmen wir drei Hilfsfdisziplinen zu Hand.
1.) Die Theorie der kognitiven Dissonanz.(3) Sie arbeitet mit drei Wirkungsfaktoren:
a) der Bewertung des Kommunikators durch den Rezipienten,
b) die Vormeinung der Rezipienten,
c) die in der Aussage manifestierte Meinung.

2.) Die Sozialpsychologie. (4) Sie differenziert eine Einstellung in drei Teilaspekte:
a) Kognition,
b) Affekt und
c) Verhalten.
Aus der modernen Einstellungsforschung ist bekannt, dass Versuchsgruppen Sachverhalte unterschiedlich beurteilen, je nachdem welche ethische Einstellung zuvor evoziert worden ist. (5)

3.) Konstruktivismus und Klinische Hypnose (NLP). (6) NLP arbeitet seit langem mit der gezielten Modifikation von Einstellungen und Wahrnehmungen. Dabei setzten diese Technik auf 3 Mittel:
a) Die Person des Redners (Therapeuten)  und seine sprachlichen Fähigkeiten,
b) auf die Emotionen, die er oder sie beim Hörer (Klienten) auslösen,
c) auf die rationale Integration in den Alltag des Hörers (Klienten).

Was folgt daraus für eine pragmatische Theorie der Argumentation?

Alle modernen Forschungsergebnisse setzen drei Dinge, wenn es gilt,  Überzeugungsprozesse herbeizuführen oder zu analysieren:
a) Wer ist es, der da spricht (Ethos)?
b) Was löst er bei mir aus (Pathos)?
c) Macht das Sinn (Logos)?

Das sind seit über 2000 Jahren die drei Überzeugungsmittel der antiken Rhetorik, moderne Forschungsansätze gehen mit anderen Namen immer noch den Weg der ersten Rhetoriker.
Nun geht die Rhetorik aber erheblich genauer vor. Sie benennt fünf Phasen, die für die Vorbereitung einer Aussage sinnvoll sind und sich bewährt haben.

1.) Inventio, die Inhalte
Was sage ich nicht, was sage ich?

2.) Dispositio, die Gliederung
Wie erhöhe ich durch eine bewusst gewählte die Reihenfolge der Themen die Wahrscheinlichkeit für eine Akzeptanz meines  Anliegens

3.) Elocutio, die Wahl der Worte
Mit welchen bewusst gewählten Worten und Formulierungen sage ich es?

4.) Memoria, Lern- und Gedächtnistechnik
Wie merke ich mir all das: Inhalte, Reihenfolge, Formulierungen?

5.) Actio, ich spreche und ich werde gesehen.
Körper, Mimik, Gestik, Blick, Stimme, Stimmklang, Stimmung schaffen

Was passiert, wenn wir die drei großen Überzeugungsmittel jeweils in den fünf Arbeitsbereichen der klassischen Rhetorik untersuchen? Diese Kombination ist ein neuer Gedanke. Es auch eine erstmals so erscheinende Systematisierung, denn die Anleitungen sind bei Aristoteles, Cicero und Quintilian innerhalb der Werke sehr verstreut.
Jetzt wird es spannend!

Für jedes der drei großen Überzeugungsmittel liefert die Rhetorik innerhalb der fünf Arbeitsbereiche sehr detaillierte Handlungsanweisungen, sei es für die Gestaltung einer Aussage oder deren Analyse.
Was kommt also dabei heraus, wenn wir die drei großen Überzeugungsmittel mit den fünf Bearbeitungsphasen kombinieren? Genauer gesagt, die großen Überzeugungsmittel noch  einmal jeweils in 5 Phasen untergliedern, sei es für das Sprechen an sich oder wenn wir es für die Analyse verwenden wollen. Das Ergebnis ist eine pragmatische Theorie der Argumentation.

Wie schaut das im Einzelnen aus?

Argumentationstheorie

 

 

 

 

Fakten

--->

Folgerung

 

 

Differenzieren wir das, denn ...

 

... die Rhetorik nennt drei Überzeugungsmittel als “Fundorte” für Begründungen und Übergangsregeln, wenn es gilt, Zustimmung zu erzielen:

Rhetorik

Ethos

Pathos

Logos

Die modernen “Töchter” der Rhetorik gehen immer noch ähnlich vor:

Sozialpsychologie

Verhalten

Gefühl

Verstand

Theorie der kognitiven Dissonanz

Kommunikator

Aussage

Vormeinung

NLP

Therapeut

Veränderungsbereitschaft

Logische Struktur

Die Rhetorik untergliedert die 3 Überzeugungsmittel in 5 Arbeitsbereiche

 

Ethos

Pathos

Logos

Inventio

Ethos-Topoi

Pathos-Topoi

Logik, Syllogismen etc.

Dispositio

Ethos-Dispositio

Pathos-Dispositio

z.B. induktiv - deduktiv

Elocutio

Ethos-Elocutio

Pathos-Elocutio

Logos-Elocutio

Memoria

Ethos-Memoria

Pathos-Memoria

Logos-Memoria

Actio

Ethos-Actio

Pathos-Actio

Logos-Actio

I.1. Ethos Inventio.
A
ristoteles sagt klar: Hier geht es um Tugenden, heute würde man sagen, Werte (7). Cicero und Quintilian folgen ihm. Die antiken Kadinaltugenden gelten auch noch heute: Weisheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit, es lassen sich anfügen: Fleiß, Patriotismus, Aufrichtigkeit, Zuversicht, Freiheit, Zuverlässigkeit und sicherlich noch einiges mehr.
Für ihre Selbstdarstellung verwenden Redende Werte a) instrumentell und b) terminal.
a) Instrumentelle Werte zeigen Redende durch ihr Verhalten. Wie geht der Redner mit etwas um? Ist er kämpferisch, zuversichtlich, weise, gerecht …?
b) Terminale Werte sind Wertungsobjekte für die die Redenden eintreten, z.B. Vaterland, Freiheit, Gleichheit. Gerechtigkeit…
Damit nicht genug: Werte sind stets mit Bedürfnissen verknüpft (8), dem sollten Analyse oder Produktion Rechnung tragen.

I.2. Ethos Dispositio
Auch hier gibt es klare Handlungsanleitungen der antiken Rhetoriker. Besonders wichtig ist das Ethos im ersten Teil der Rede und im Schluss. So vermitteln Redende zu Beginn Ihrer Reden zunächst einen Eindruck von der Person, die da spricht. Sie schaffen damit eine Vertrauensgrundlage. Im Schluss rechtfertigt das Ethos die starken Emotionen des Pathos.
NLP hat einen Schwerpunkt an diesem Ort. Es stellt Strukturschemata für Ankern, Refraiming etc. bereit.

I.3. Ethos Elocutio
Wie bringt man eine bestimmte Wertselbstdarstellung in Reden unter? 2 Beispiele:
a) Sagt der Redner: „X ist zu feige und zu schwach um … zu erkämpfen.“ So sagt er viel über sich und seine Vorgehensweise.
b) Der Redner kann Werte darstellen, in dem er, wie Aristoteles es nennt, sittliche Ermahnungen benutzt:
„Nur der, der kämpft, hat auch das Recht…“
Es kann uns nicht einerlei sein, wenn immer mehr Bürger sagen, das lassen wir uns nicht gefallen!“
NLP hat einen Schwerpunkt an diesem Ort. Es stellt Formulierungshilfen bereit.
Für Wirtschaft, Führung und Politik habe ich an anderer Stelle einen Katalog von acht Möglichkeiten vorgestellt und ihn  mit vielen Beispielen illustriert (9).

I.4. Ethos Memoria
Manche mögen jetzt schmunzeln. Moment mal, bei der Memoria geht es um Lern- und Gedächtnistechniken. Ja, stimmt. Zugleich: Was entnehmen wir nicht alles über Redende als Menschen, wenn sie Anekdoten, Erlebnisse, Geschichten erzählen, die ihnen be- und merkenswert im Gedächtnis sind.

I.5. Ethos Actio.
Das Ethos ist der ruhige Ton des „zutraulich-zutunlichen“ (Dockhorn). Fester Stand, offene runde Gestik, ein sehr ruhender Blickkontakt. Im Tonfall der Transaktionsanalyse am Redebeginn, das „Erwachsenen-Ich“ am Redeende eher das „Wohlwollende Eltern-Ich“.
Heute ist das bei elektronisch verstärkten Reden oft durch mehr Bass und mehr Hall am Redeende bewusst inszeniert.

II.1. Pathos Inventio
Dazu untersucht vor allem Aristoteles eine große Auswahl von Affekten und deren Gründe.

II. 2. Pathos Dispositio
Das immer noch beste und sehr präzise analysiert stammt wieder von Aristoteles. Er beschreibt eine klare Dispositio:
a) Die Verfassung der Hörer. Auf was hat der Redner sie eingestimmt?
b) Gegenüber wem/was soll ein Affekt ausgelöst werden.
c) Über welche Dinge
Das ist bei Hitler sehr gut zu analysieren (10).

 II.3. Pathos Elocutio.
Für Wirtschaft, Führung und Politik habe ich an anderer Stelle einen Katalog von acht Möglichkeiten vorgestellt und ihn  mit vielen Beispielen illustriert.
Darüber hinaus gibt es sehr viele Kataloge rhetorischer Figuren. Die Sammlung von Plett hat den Vorteil, dass er Figuren dem Ethos, Pathos, Logos zuordnet.

II.4. Pathos-Memoria
Hier geht es um mehr als Gedächtnistechnik. Denn ein Redner kann nur einen Affekt auslösen, wenn die Hörer dieses Gefühl auch kennen, weil sie anderen Ortes in anderen Zusammenhängen bereits erlebt haben. Wer keine Angst vor nichts und niemand kennt, dem kann man auch keine machen.

II.5. Pathos Actio
Das Pathos erfordert  je nachdem, welcher Affekt der Redner erreichen will, sehr unterschiedliche körpersprachliche und sprecherische Darstellungen.
Quintilian merkt an:  Gestik nie über Schulterhöhe. Es gibt zwei  Ausnahmen: Im äußersten Zorn, oder wenn man die Götter anruft. Beides kann im Pathos der Fall sein. Im Tonfall der Transaktionsanalyse ist hier nahezu alles denkbar.

III.1. Logos Inventio
Die Stützen ihrer Argumentation holen Redende aus sehr unterschiedlichen Bereichen: Es können Tatsachen sein, wissenschaftliche Ergebnisse und Gesetzmäßigkeiten, statistische Ergebnisse, Gesetzte, Verordnungen, Präzedenzfälle, Werte, Normen, aber auch Bedürfnisse: Lust haben keine Lust haben, Hunger oder Durst haben.
Das macht z. B. die politische Auseinandersetzung oft so schwierig. Der eine argumentiert mit Bevölkerungsentwicklungszahlen, der andere setzt einen Wert dagegen: soziale Gerechtigkeit.

III.2. Logos Dispositio.
Die Schriften zur Argumentationstheorie füllen inzwischen viele Regale. Für Redende ist hier vor allem wichtig, argumentiere ich induktiv oder deduktiv?
Darüber hinaus hilft wieder einmal Aristoteles mit seiner Syllogistik und der kleinen Schwerster dem Enthymem.

III.3. Logos Elocutio
Hier sind zahlreiche rhetorische Figuren denkbar: Rhetorische Fragen, Wiederholungen, direkte Reden. Aber auch und das ist ein vollkommen  unerschlossenes Feld die „allgemeinen Topoi“ des Aristoteles.

III.4. Logos Memoria.
Hier geht es nun wirklich um die reinen Lern- und Gedächtnistechniken. Zugleich wirkt aber mit, was weiß der Redner, wie groß ist sein Speicher an relevanten Informationen, welche Geschehnisse erinnert er?

III.5. Logos Actio.
Das ist die sachlich ruhige, sichere Darstellung. Offene Körpersprache, fester Stand, runde, offene Gestik, sehr ruhenden Blickkontakt, Pausen, kurze Sätze, fallende Kadenzen vermitteln diesen Eindruck. In der Transaktionsanalyse von Tonfall her spricht ein Erwachsenen-Ich.

Fassen wir zusammen:
Menschen handeln nicht immer logisch rational.
Manchmal handeln Menschen aus einem Affekt heraus:

a) dem Pathos.
Manchmal entscheiden sie sich so, weil Sie Redenden vertrauen und oder sie bewundern, sie mögen, Ihnen bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten zuschreiben. Dann wirkt
b) das Ethos.
Und immer gibt es auch Entscheidungen, die wir aus rationalen Gründen treffen, dann bewegen wir uns im
c) Logos.

Eine pragmatische Theorie der Argumentation  soll dabei helfen, zu erkennen,
1.) welches der drei Wirkungsmittel unser Denken und Handeln bei bestimmten Entscheidungen in erster Linie bestimmt.
Eine pragmatische Theorie der Argumentation ist
2.) für die Analyse von Reden äußerst wichtig. Gerade wenn es um wichtige politische oder geschäftliche Entscheidungen geht.
Eine pragmatische Theorie der Argumentation kann zugleich
3.) Handlungsanweisungen für Textproduktionen bereitstellen.
Also prüfen wir die Antriebe unser Taten und Entscheidungen.

Anmerkungen:
0.) Vgl. Aristoteles´ Syllogistik. Ein Syllogismus besteht aus drei Sätzen.
Alle Menschen sind sterblich. Plato ist ein Mensch: Plato ist sterblich. Wichtig dabei ist das die Obersätze wahre und positive Aussagen sind, sonst kann man damit den größten Unsinn beweisen: Keine Katze hat 9 Schwänze. Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze: => ?
Enthymeme sind verkürzte Syllogismen:
Wer überlastet ist ist oft krank. Sie sind nie krank: => ? (Regel o.k.;  der Obersatz der Aussage ist keine wahre Aussage.)
Hier erlebt der Hörer nach Aristoteles die Freude, den fehlenden Teil des Dreischrittes ergänzen zu können: “Persil bleibt Persil“ wahr jahrzehntelang ein sehr erfolgreicher Werbesatz. Lösen wir das auf.
Was bleibt ist gut. Persil bleibt: => ?
Vgl. dazu besonders auch die zahlreichen besonderen Enthymeme bei Aristoteles. „Wenn es Euch nicht zu Schande gereicht … zu kaufen, warum soll es mir zu Schande gereichen … zu verkaufen“.
1.) Eggs 1992, S. 915
2.) Spillner 1977
3.) Dröge 1972
4.) Triandis 1975
5.) Triandis (1975) beschreibt ein Experiment:
In dieser Untersuchung wurde eine in ethischer Hinsicht fragwürdige Situation dargestellt. Ein Mann hatte in seiner Firma Geld unterschlagen. „Zwei Versuchsgruppen sollten die Situation beurteilen. Sie bekamen unterschiedliche Vorinformationen.
Gruppe A: Der Mann ist ein übler Typ, schlägt seine Kinder und seine Frau, das Geld brauchte er für seine allabendlichen Besuche in einer Spielothek.
Gruppe B: Das Kind der Familie ist erkrankt. Es braucht dringend ein lebenswichtiges Medikament. Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten nicht. Er nahm das Geld, um das Medikament kaufen zu können und er spart auch schon, um den Betrag zurück zu geben.
Die Untersuchung legt nahe, dass die Bedeutung der Information modifiziert werden kann, wenn die Wertvorstellungen eines bestimmten Publikums mit in den Wahrnehmungsrahmen einer Beurteilung eingehen.
Der vorgegebene Rahmen steuert die Wahrnehmung und die Bewertung der Situation.
6.) Grinder/Bandler 1987 ff.
7.) Die Wertforschung ist heute Gegenstand u. a. der Sozialwissenschaften, Philosophie, Sprachpsychologie und Sozialpsychologie: „Unternimmt man den Versuch, den Ursachen menschlicher Handlungsweisen in konkreten Situationen des täglichen Lebens nachzugehen, so stößt man dabei, nachdem die anderen Konzepte sich als unzulänglich erweisen, auf grundlegende Wertmaßstäbe, die hinter Verhaltenspräferenzen und ihrem Wandel im Laufe der Zeit  zu stehen scheinen“ Hartmann 1979, 210).
In der neueren Sozialpsychologie „wird das Wertkonzept dem Einstellungskonzept (…) übergeordnet. Werte determinieren Einstellungen als auch Verhaltensweisen“ (Stapf 1976:76).
Werte betreffen vor allem das Ethos, aber sie wirken auch im Pathos und Logos, denn:  „Werte können als elementare Handlungsprogramme bezeichnet werden, die das Handeln (…) bestimmen (…)“. Damit ist ein „Wert in seiner kognitiven Funktion gekennzeichnet (…). In seiner motivationalen Funktion wird eine Wert als Handlungsimpuls wirksam. Die emotionale Funktion kommt einem Wert hinsichtlich der Emotion zu, die er auslöst“ (Wiehn 1979:374).
Wichtig ist dabei das der Wert stets das „Rechte Maß der Mitte“ trifft. Tapferkeit ist stets  situationsangemessen in der  Mitte zwischen Feigheit und Tollkühnheit. Soziale Gerechtigkeit ist die situationsabhängige Mitte zwischen Hartherzigkeit und Verschwendung.
Vgl.: Hartmann, N.: Einführung in die Philosophie. 1952. S. 173ff.
Schutz v. Thun, 1989, S. 38ff. greift dieses Modell wieder auf, indem er jedem Wert einen „Unwert“ zuordnet.
8.) Psychologie und Sozialpsychologie legen „den Werten Bedürfnisse zu Grunde“ (Graumann 1969:228). „Durch die Fassung des Bedürfnisses als „Bereitschaft“, sich das zur Befriedigung Erforderliche zu verschaffen, ist das Bedürfnissystem unmittelbar mit der (…) Werte-Matrix verbunden“ (Graumann 1996:283). Motivtabellen gibt es inzwischen zu Hunderten. Je mehr Kategorien sie anbieten, desto schwieriger wird bei der Redeanalyse oder -produktion eine klare Zuordnung.
Hier greift das Problem des „Abnehmenden Grenzzuwachses“. Wer in zu viele Kategorien differenziert, weiß bald nicht mehr: wo gehört das jetzt eigentlich hin, habe ich das bedacht. Nach meiner Einschätzung ist das Original am Besten, deswegen schlage ich dieses Modell vor. Die Bedürfnisspyramide von Maslow unterteilt in: Grundbedürfnisse, Sicherheit, Zugehörigkeit, Achtung der Person, Selbstverwirklichung, Kunst und Kultur.
8.) Ulonska: Literaturliste im Internet. Aus Heidelberg liegt inzwischen eine Examensarbeit nach diesem Ansatz vor, vgl.: Schmurr, K., 1993 und ich freue mich, dass meine Publikationen zu dieser Methode inzwischen an vielen Hochschulen zum festen Repertoire gehört.
10.) Das ist bei Hitler sehr gut zu sehen (Vgl. Ulonska 1990, 1995, 1997). Wenn wir heute Ausschnitte aus Hitlerreden sehen, sind es oft nur Ausschnitte. Er tobt und wütet, es erscheint unverständlich, das man ihn ernst nahm. Aber: die Reden dauerten meistens anderthalb Stunden, oft waren sie länger. Sie folgten ganz bestimmten Aufbauprinzipien, bei denen die Pathos Formel eine große Bedeutung hat. Zu Beginn ist er stets ruhig, still, dann beschreibt er empörende Zustände, über die er sich  als logische Konsequenz (scheinbar) zu Recht echauffiert. Letztlich wird er aufbauend, glaubensstiftend - pastoral.

Literatur:
Aristoteles: Rhetorik. München. 1980.
Carr, W. Hitler. Stuttgart. 1980.
Cicero, M. T.: Über den Redner. Stuttgart 1976.
Dröge, F.: Wirkungen der Massenkommunikatuon. FfM 1973.
Eggs, E.: Argumentation. In: Ueding, G.: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Tübingen 1992 ff.
Ders.: Formen des Argumentierens in Zeitungskommentaren. In: Hess-Lüttisch, E. u.a.: Textstrukturen im Medienwandel. FfM 1996.
Fiehler, T. Kognition und Emotion. Berlin 1960.
Göttert, K. H.: Argumentation. Tübingen. 1978.
Graumann, C. F.: Sozialpsychologie. Göttingen 1969.
Grinder, J. / Bandler, R.: Therapie in Trance. Stuttgart. 1988.
Diess.: Die Struktur der Magie. Bd. 1 und 2. Paderborn. 1987.
Hartmann, K. D.: Werthaltungen als Handlungsregulative. In: Kmieciak, P.: Wertwandel. FfM. 1979.
Hartmann, N.: Einführung in die Philosophie. Osnabrück. 1952.
Herbig, A.: Sie argumentieren doch scheinheilig. FfM. 1992.
Kienpointer, M.: Argumentationsanalyse. Insbruck. 1983.
Maslow, A. H.: Motivation und Persönlichkeit. Olten 1977.
Pawlowski, K.: Topos und Wahnehmungssteuerung. In: Geißner, H.: Ermunterung zur Freiheit. FfM 1990.
Quintilian, M. F.: Die Ausbildung des Redners. 2 Bde. Darmstadt. 1972.
Schmurr, K. Menschenfreund und Ehrenmann. Heidelberg. 1993.
Spillner, B.: Das Interesse der Linguistik an der Rhetorik. In: Plett, H. F.: Rhetorik. München. 1977.
Sprute, J.: Topos und Enthymem in der aristotelischen Rhetorik. In: Hermes 103. 1975.
Ders.: Der Zweck der aristotelischen Rhetorik. In Patzig, J.: Logik, Ethik, Theorie der Geisteswissenschaften.Hamburg. 1976.
Ders.: Aristoteles Theorie rhetorischer Argumentation. In: Gymnasium 88, H. 3/4. 1981.
Stapf, K.: Einstellungsmessung und Verhaltensänderung. In: Stachowiak, H.: Bedürfnisse, Normen und Werte im Wandel der Zeit. München 1982.
Schulz v. Thun, F. Miteinander Reden. Bd 2. Hamburg. 1989.
Toulmin, S.: Der Gebrauch von Argumenten. Kronberg. 1975.
Ulonska, U. aus Litliste.
Wörner, M.: Die argumentative Funktion von Affekten dem Reden. In: Kühlwein, W./Raasch, A.: Stil. Tübingen. 1982.
Triandis. H.: Einstellungen und Einstellungsänderungen. Weinheim. 1975.
Wiehn, E. R.: Grundwerte in Europa. In: Kmieciak, P.: Wertwandel. FfM. 1979.

Dr. Ulrich Ulonska
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