Aristoteles

Aristoteles: Die Rhetorik ist die Kunst,
die möglichen Überzeugungsmittel
zu finden.

Dr. Ulonska Training
Institut für Kommunikation
und Management

Lindenteichstraße 8
D - 37124 Rosdorf
Tel: 05545/655-6
 

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Es freut uns, dass die Zeitschrift Manager Seminare nun endlich das aufgreift, was wir seit über 20 Jahren in unseren Präsentationstrainings vermitteln. M. S.: 2/2006. S. 30-37.

Präsentationstraining: Weniger ist mehr

Powerpoint ist die beliebteste Präsentationssoftware der Welt - und doch der Feind eines jeden Vortrags. Mit dem Visualisierungswerkzeug verlieren Präsentierende eher ihr Gesicht, als dass sie ihr Publikum beeindrucken. Das Fatale: Der Redner merkt es noch nicht einmal. Zu welchen Irrtümern und Fehlern die Präsentationssoftware verleitet - und wie man diese umgeht. (…)

Sie kennen Powerpoint noch nicht? Dann stellen Sie sich zunächst einen langweiligen Diavortrag vor. Nun denken Sie sich einen Haufen simpler, nichts sagender akustischer und optischer Feuerwerke dazu. Das ist Powerpoint: ein langweiliger Diavortrag, ergänzt mit belanglosen Knalleffekten. Vor zehn Jahren galten solche Grafikshows noch als avantgardistisch. Heute ist das ein alter Hut. Powerpoint ist der Feind jeden guten Vortrags." (…)

Dabei begann alles ganz harmlos, das Programm kam 1988 als bescheidenes „Visual Aid" zur bildlichen Unterstützung Voll Vorträgen auf den Markt. Doch die kleine Stehhilfe Powerpoint wurde schnell zum komfortablen Schlafwagen, mit dem sich müde Redner zu ihrem wachen Publikum fahren lassen. Bei vielen Präsentationen erhalten die Teilnehmer heute Kopien der Folien schon im Voraus als geistige Handreichung. Während der Präsentation überfliegen sie die Texte, manche lesen mit - aber kaum einer achtet auf die Worte des Vortragenden.

Es gibt ja auch keinen Grund, einem Vortrag aufmerksam zuzuhören, wenn man alles auf der Leinwand und vorab in den Ausdrucken lesen kann.

Ein vorhersagbarer, schematischer Ablauf ohne menschliche Komponente - genauso gut könnte das Publikum eine Aufzeichnung per Video ansehen.

Für Clifford Stoll steht daher fest: „Powerpoint ist die Wahl der Feiglinge."

Feiglinge deshalb, weil sich die Powerpoint-Nutzer hinter einem Haufen von Folien verstecken, statt zu überlegen:

Was ist das Ziel meines Vortrags?
Was ist meine Botschaft?
Und wie baue ich meine Rede auf, um diese Botschaft eingängig zu vermitteln?

Und so werfen die meisten Präsentatoren sich und ihr Publikum mit Powerpoint zurück in die Zeiten der „Betonpädagogik" und eines einfallslosen Frontalunterrichts für Erwachsene. Schwindel erregende Folienschlachten, zu schnelles Sprechen, kein roter Faden - was muss das Publikum nicht alles über sich ergehen lassen.

Mit Firmenlogo und kunstvoll gestalteten Templates versehen werden ganze Absätze ausformuliert und mit Grafiken überladen per Beamer an die Wand gestrahlt.

Viele „Powerpoint-Rhetoriker" setzen auch gern auf die überzeugende Wirkung von Karikaturen oder den dürren Strichmännlein aus dem Lieferumfang von Microsoft Office, damit die Zuhörer auch einmal etwas zu lachen haben.

Und viel Arbeit wird verwendet für besonders kunstvolle Übergänge zwischen den aufgerufenen Seiten - zum Beispiel mit Vorhängen, die sich von oben über das Bild senken. Oder mit Buchstaben, Begriffen, Sätzen oder Pfeilen, die einzeln auf den Schirm rauschen -unterstützt durch ein akustisches „"Tää-tääää", „Plopp" oder „Zischschsch".

Ebenso beliebt sind exotische Folien-Layouts und ausgefallene Schriftarten, so wie vor fünfzehn fahren bei den Restaurant-Speisekarten: vier Fonts, sechs Farben, acht Schriftgrößen, kursiv, mit Kapitälchen und gefettet...

Um es ganz böse zu sagen: Wer selbst nicht mehr alle Sinne beisammen hat, attackiert diese dafür bei anderen so umfassend wie möglich.

Doch selbst wenn auf übertriebene Effekte verzichtet wird, bleibt ein Kardinalproblem: der Mensch als Präsentierer.

Jeder kennt Typen wie den Überflieger mit mindestens zehn Folien pro Minute, weil er insgesamt 119 Folien hat. Oder den Im-Bild-Steher: Er verdeckt die Projektion, weil er dauernd zwischen Beamter und Leinwand hin und her läuft.

Der Aufisst dagegen steht ruhig und redet zur Folie, zur Wand, vielleicht auch zu sich selbst - aber nie zu uns.

Die Befehle wiederum haben mindestens einen Leibeigenen für Folien Und Bedienung, sie selbst beschränken sich auf das Reden.

Doch ihr Vortrag leidet häufig unter der mangelhaften Vorbereitung, denn sie gestalten die Folien natürlich nicht selbst, und sie haben sie vorher auch nicht angesehen. Immer wieder kommen halblaut gebellte Anweisungen: „Nein, noch mal kurz zurück" - „Nächste Folie!" Es versteht sich von selbst, dass alle Vertreter dieser Spezies keinerlei Schwingungen aus denn Publikum wahrnehmen...

Nicht zuletzt wird das Publikum malträtiert mit Entschuldigungen und vorauseilenden Bankrotterklärungen: „Die Folien kann man schlecht lesen, aber ..." , „,Eigentlich müsste hier was anderes stehen, wir haben die Folie aber nicht mehr rechtzeitig ändern können." - Oder gar: „Ich werde mich möglichst kurz fassen, um nicht unnötig Zeit für meinen Vortrag zu beanspruchen.“

Wenn doch, folgt: „Die Zeit ist vorangeschritten, die nächsten sechs Folien überspringe ich jetzt daher mal." Wer solche Worte gebraucht, erklärt seinen eigenen Vortrag zu geistigem Kleingeld oder macht die Zuhörer auf Schwierigkeiten aufmerksam, die diese sonst vielleicht gar nicht bemerkt hätten.

Zu allem Unglück bietet Powerpoint vielfältige Klippen und Fußangeln für technische Probleme. Damit degradiert es bei Pannen den Vortragenden schnell zu einem besseren Hausmeister, der die Kabel prüft, den Rechner neu startet, mitunter sogar die Lampe des Beamers selbst auswechselt - oder stammelnd mit den Worten ringt, weil die Leinwand dunkel bleibt und sich der Vorhang nicht heben will in seinem kleinen Welttheater. 

Mit anderen Worten: Es gibt kaum eine so wirkungsvolle Möglichkeit, sein Gesicht zu verlieren wie eine missratene Powerpoint-Präsentation.

Bevor Sie also an die Vorbereitung von Folien, Bildern und Grafiken gehen, sollten Sie sich zu allererst klarmachen: Wer reden kann, hat mit seinen Worten oft mehr Chancen, das Publikum zu gewinnen als mit einer Folienschlacht.

Wie sehr die Worte zählen und nicht die bunten Bilder, das erfuhr etwa die US-Regierung vor dem Irak-Krieg. Colin Powell hatte sich bestens vorbereitet: Die Multimedia-Präsentation des US-Aussenministers über irakische Waffenbunker war technisch perfekt, doch nach der Präsentation im Breitwandformat waren die Zweifel an der verkündeten US-Strategie im Rest der Welt nicht kleiner, sondern größer geworden.

Den Grund dafür kennen Profis seit langem: Wer sich auf rasch wechselnde Bildchen oder akustische Effekte an der Wand hinter sich verlässt, mindert meist die eigene Überzeugungskraft.

Marco Althaus, Wahlkampfexperte und Direktor des „Deutschen Instituts für Public Affairs" (DIPA) in Berlin, bringt es auf den Punkt: „Wer mit Charts aus Powerpoint auf die Menschen losgeht, wird in der Politik noch nichtmal Landrat.“

Vielleicht auch deshalb versuchten schon beim ersten Fernseh-Duell 2002 die Kandidaten Gerhard Schröder wie Edmund Stoiber erst gar nicht, beim Volk Punkte mit Powerpoint zu machen.

Natürlich aber können Sie mit Powerpoint, richtig eingesetzt, die Wirkung Ihrer Worte unterstreichen- Sie können Ihre Rede eben nur nicht durch die Folien ersetzen.

Was also gilt es zu beachten?

Ziel bei einer Präsentation sollte es immer sein, ein Thema zu veranschaulichen, es gut verstehbar und im Gedächtnis aufnehmbar zu machen. All das leisten Sie mit Ihren Worten. Vor allem dann, wenn Sie Ihren Beitrag nach dem Pyramiden-Prinzip aufbauen: Am Anfang äußern Sie die inhaltlichen Spitzen und kommen schnell mit der Kernaussage auf den Punkt, dann entwickeln Sie zur Basis

hin die Argumentation, die Sie auf ein Fundament von Sachaussagen, Beispielen und Beweisen stellen.

(Anmerkung Dr. Ulonska: Kann man so machen ist in 75% aller Fälle nicht so sinnvoll.)

Folien, Charts und Bilder dienen dann einzig und allein zur Verstärkung und zur Verschönerung des Gesagten. Die Charts enthalten daher kein Abbild Ihrer Rede, sondern führen lediglich wichtige Begriffe und einfache, selbsterklärende Grafiken auf (…). Mit den Folien reduzieren Sie die Komplexität. Bei der Überlegung, was auf die Folie drauf soll,  sollten Sie sich daher immer von dem Motto leiten lassen „Weniger ist mehr!". Das bedeutet, dass auf eine Folie nicht mehr als maximal fünf bis sieben Zeilen gehören.

Verwenden Sie möglichst durchgängig die gleichen Schriftarten in der Präsentation, aber nicht zu viele Schriftgrößen. Bei großen Leinwänden und tausend Zuhörern rechnen Profis sogar die Saal- und die Leinwandgröße um auf die angemessene Schriftgröße. Unter 10 Punkt ist wegen Unschärfe meist nichts mehr lesbar, noch nicht mal aus der ersten Reihe, während zu große Schriften schnell aggressiv und laut wirken.

Besonderer Wert ist auf die Wahl der richtigen, angemessenen Farben zu legen. Empfehlenswert sind alle gut erkennbaren Farben auf dunklem Hintergrund: Weiß, helles Orange, Gelb, helles Grün und helles Blau. Schlechtsichtbare Farben auf dunklem Hintergrund sind Rot (vor allem auf blauem Hintergrund flimmert es), Dunkelgrün, Schwarz, Grau und Braun - und natürlich alle Font-Farben, die ähnlich wie der gewählte Hintergrund sind.

Ein weiterer Punkt sind die psychologischen Subtexte und Bedeutungen von bestimmten Farben: Wie wirkt es beispielsweise, wenn Männer im dunklen Anzug als Präsentationsfarben Rosa und Violett bevorzugen? Und wer gerne Handouts austeilt, sollte auch daran denken, wie die Farben auf einer Fotokopie in schwarzweiß aussehen: So mancher Powerpoint-Picasso wurde durch schlechte Kontraste im Ausdruck schnell zur grauen Maus (…).

Powerpoint verführt leicht dazu, alte Folien aus der Schublade zu ziehen und zu zeigen, was wir schon einmal gezeigt haben. Vermeiden Sie diesen „selbstreferenziellen Blindflug". Wer mit x-mal abgenudelten Standardvorträgen vor sein Publikum tritt, nimmt es erkennbar nicht für voll.

Beim Metzger lassen wir uns doch auch frische Scheiben abschneiden und geben uns nicht mit dem ausgetrockneten Anschnitt zufrieden. Das Publikum will frische Gedanken – diese Arbeit müssen Sie sich schon machen.

Setzen Sie daher kein Präsentations-Recycling mit aufgebackenen Gedanken vor!

Verstehen Sie Ihre Powerpoint-Präsentation vielmehr als das, was Sie sein sollte: mehr Bewerbung als Werbung. Zwar gehen viele Präsentationen streng konform mit der Corporate Identity, der grafisch-werblichen , Erscheinung des Unternehmens, - und sind insofern auch eine Werbung für dieses. Doch vielmehr bewerben Sie sich mit einer Präsentation wie bei einer Brautwerbung um die Aufmerksamkeit, Zustimmung und Sympathie Ihres Publikums.

Nutzen Sie also diese Chance und schenken Sie dem Publikum ebenso viel Aufmerksamkeit wie Ihren Folien. Gibt es Meldungen, will jemand etwas zu einem Ihrer Argumente sagen? Regt sich gar Widerspruch?

Wer in einem solchen Fall noch eine halbe Stunde stur weiterredet und Folien durchklickt, wirkt unsicher und unprofessionell.

Nehmen Sie daher Stimmungsumschwünge wahr und reagieren Sie auf diese: Wenn die „Abstimmung mit den Füßen" einsetzt und der Saal sich leert, dann kürzen Sie ab. Fassen Sie Ihre drei wesentlichen Punkte zusammen oder wiederholen Sie Ihre Botschaft in einem guten Schlussakkord.

Und arbeiten Sie auch mit Ihrem persönlichsten Präsentationswerkzeug, um sich beim Publikum zu bewerben und dieses mit Ihrer Präsentation in Atem zu halten: Setzen Sie bewusst Ihre Stimme ein.

Sie ist neben der Sprache und Wortwahl die einzige „Duftmarke" des Redners und ein Gegenpol zu den vorfabrizierten Folien. Entscheidend für die Wirkung des gesprochenen Wortes sind vor allem das Sprechtempo, die Betonung und die Modulation.

Verschlucken Sie keine Silben, sprechen Sie deutlich akzentuiert. Reden Sie laut genug für alle Zuhörer und variieren Sie die Lautstärke. Zu langsames Sprechen wirkt ermüdend, doch der mit Abstand häufigste Fehler ist zu schnelles Sprechen: Wer zu schnell spricht, wird nicht schneller fertig, sondern läuft Gefahr, nicht verstanden zu werden.

Setzen Sie daher Pausen bewusst ein als dramaturgisches Mittel vor wichtigen Aussagen, als Besinnungsmoment nach Fragen, beim Abschluss eines Abschnitts und vor allem nach Punkten, die Ihnen besonders wichtig sind.

Denn kurze Sprechpausen geben Ihren Zuhörern die Gelegenheit zum Nachdenken - und Ihnen zum ruhigen Luftholen. Wenn Sie so vorgehen, unterstützen Sie wiederum die Wirkung Ihrer Folien: Was Sie mit Ihrer Stimme eingängig und effektvoll hervorheben und dann per Folie visualisieren, bleibt doppelt haften.

Dann entsteht eine regelrechte Wechselwirkung zwischen Folie und Sprache. Und dann hat Powerpoint seine Funktion erfüllt. (…)

Inhalte

Worte, wichtige Begriffe
Keine Sätze, keine Romane Maximal 5-7 Zeilen
Kein Abbild der Rede Selbsterklärende Grafiken
Ziel: Reduktion der Komplexität
Motto: Weniger ist mehr!
Aufgabe: Verstehbar machen, verschönern, verstärken

Schriftarten

Mehr serifenlose Schriften (Helvetiva, Arial etc.)
Weniger serifenbetonte Schriften (Courier, Garamond etc.)
Keine Schreibschriften

Widersprüche vermeiden zwischen Schrift und Inhalt (High-Tech-Inhalt in Western-Saloon-Schrift).  Schriftschnitte und Satzauszeichnungen wie kursiv, fett, gesperrt, unterstrichen sparsam dort verwenden, wo es Sinn ergibt

Schriftgröße für Überschriften

32 Punkt (normal)
40 Punkt (groß)
44 Punkt (sehr groß)

Schriftgröße und -abstand im Text

Am besten 24-28 Punkt
Unter 10 Punkt: unlesbar
Keine Fußnoten und verkleinerten Kommentare
Schriftabstand mindestens zweizeilig

Farben

Insgesamt nicht mehr als vier Farben verwenden
Rot: Hervorhebend, aber aggressiv
Blau: Beruhigend, augenfreundlich (nicht aber auf Schwarz)
Grün: Beruhigend, augenfreundlich (nicht aber: Hellgrün auf Weiß)
Gelb: Signalfarbe, optisch „sauer", nicht warm
Hintergrund versus Schrift
Kontrastwirkung beachtet? (Kein Flimmern!)
An Fehlsichtige gedacht? (Ungeeignet: Rot/ Grün-Kontraste)
Folie lesbar als Schwarzweißkopie?

Animationen und Folienübergang

Besser vermeiden: Verspielte Animationen
Bewegte GIFs
Bilder und Zeichen
Clip-Arts, die jeder nimmt
Zeilenweises Rumgeklicke (ist überflüssig)
Farbverläufe (welche Bedeutung könnten sie haben?)

Absolute No-Nos:

Textübergänge und Einfügungen Wort für Wort ins Bild gerückt
Worte, die buchstabenweise als „Nummerngirls" auftreten
Akustische Marken und Signale („palimpalim")